50.000 Menschen arbeiten in der Chemiebranche in Österreich. Beschäftigte und Gewerkschaften fordern in der laufenden KV-Runde eine Gehaltserhöhung von 3 % bis 3,5 % Prozent. Selbst nach 7 Verhandlungsrunden wollen die Unternehmervertreter nur 0,8 % im Jahr Prozent Erhöhung hergeben. Das ist eine Provokation. Deshalb kam es zu Warnstreiks mit tausenden Beteiligten, allein in Lenzing nahmen 1.300 Beschäftigte teil! (https://ooe.orf.at/stories/3356016/). Im Zuge dessen wurde auch in der Nacht auf den 4. Juni 2026 im Chemiepark von den Streikenden der zentrale Leitstand und damit die Erdgaszuleitung im Chemiepark Linz heruntergefahren. Die Unternehmerseite, der Fachverband der Chemischen Industrie (FCIO), tobt und will Beschäftigte und Gewerkschaft klagen. Der FCIO-Obmann Ulrich Wieltsch meint: „Für gewerkschaftliche Streikmaßnahmen während eines aufrechten Kollektivvertrages gibt es keine rechtliche Legitimation.“ Das würde bedeuten, dass man jedes Unternehmerangebot schlucken müsste. Das hätten die Bosse gerne. Offensichtlich wollen manche von ihnen gar keinen Kollektivvertrag mehr.
„Unser Vorgehen ist die Reaktion auf das unverschämte Angebot der Arbeitgeber. In sieben Runden kein einziges annehmbares Angebot vorzulegen, führt zu entsprechenden Reaktionen bei den Beschäftigten“, so die GPA Oberösterreich (https://www.gpa.at/kollektivvertrag/industrie/chemie/2026/kv-2026-chemische-industrie–siebente-runde-ohne-ergebnis–strei).
Tatsächlich ist das Vorgehen der Chemie-Unternehmer ein Angriff nicht nur auf die Chemiearbeiter und das Streikrecht, sondern auf alle Arbeitenden, Betriebsräte und Gewerkschaften, die berechtigt um ihr Einkommen kämpfen. Die chemische Industrie hat einen jährlichen Branchenumsatz von rund 22 Milliarden Euro. Und die Gewinne sind stabil: Laut AK ist die operative Umsatzrendite (EBIT-Marge) zuletzt bei durchschnittlich 7,5 %! (https://wien.arbeiterkammer.at/service/studien/WirtschaftundPolitik/branchenanalysen/Chemische-Industrie-2025.pdf).
Die Drohungen der Unternehmerseite zeigen, dass sie ganz und gar nichts von der sonst so hochgepriesenen „Sozialpartnerschaft“ halten, wenn die Beschäftigten nicht mehr kuschen und die Bedingungen der Konzerne nicht mehr akzeptieren wollen. Deshalb drohen jetzt die Konzerne mit Klagen gegen Beschäftigte, Betriebsräte, Gewerkschaften und das Streikrecht. Es zeigt auch: Reden tut den Konzernen nicht weh. Es geht nur etwas weiter im Sinne der Beschäftigten, wenn sie sich effektiv zur Wehr setzen.
Weitere Quellen: ORF, PRO-GE: https://www.proge.at/themen/fruehjahrslohnrunde/2026/kv-chemische-industrie–keine-einigung-in-fuenfter-runde, https://ooe.orf.at/stories/3357159
