Schließung des Ardo-Tiefkühlwerkes im Marchfeld

Der belgische Ardo-Tiefkühlkonzern beschäftigt an 16 Standorten in 7 Ländern ca. 3.300. Ardo ist ein Familienkonzern, der nicht an der Börse notiert. Daher gibt es keine verlässlichen Unternehmenszahlen. Der Konzern macht nach Schätzungen der Gewerkschaft jährlich Milliardenumsätze von bis zu 1,4 Mrd. Euro (https://ardo.com/de-be/ueber-ardo). Der Ardo-Konzern schreibt laut Betriebsrat jährlich Gewinne in hoher zweistelliger Millionenhöhe. (https://www.newbusiness.at/aktuelles/warnstreik-bei-tiefkuehlproduzent-ardo-in-niederoesterreich, 11.9.2023). Jetzt will Ardo mit Ende 2026 den Standort in Groß Enzersdorf schließen (https://noe.orf.at/stories/3372514). Betroffen sind in Summe 240 Arbeiter und Angestellte (190 Stammbelegschaft, 50 Saisonarbeitskräfte). Die Schließung gefährdet zudem 300 bis 500 bäuerliche Betriebe, somit die heimische (Tiefkühl-)Gemüseversorgung und die österreichische Versorgungssicherheit, wenn in Zukunft noch mehr Gemüse aus dem Ausland importiert wird. 

Die Ardo-Begründung für die Schließung ist nicht glaubwürdig: Eine notwenige Modernisierung des Werkes sei zu teuer (angeblich 100 Mio. Euro) und der österreichische Markt zu klein. Wenn also das Werk veraltert sei, warum dann will Ardo die Maschinen aus dem Werk Groß Enzersdorf abbauen und in ein anderes Ardo-Werk abtransportieren (https://kurier.at/wirtschaft/schliessung-des-ardo-werks-krisengipfel-anscheinend-ohne-ergebnis/403194936, 1.10.2026)? Zudem straft die eigene Firmenphilosophie das Vorgehen der Konzernspitze Lügen: So heißt es großmundig auf der Ardo-Website, dass man einen „weltweit lokalen Ansatz“ haben (https://ardo.com/de-be/ueber-ardo). Doch wenn mit Groß Enzersdorf der einzige Ardo-Produktionsstandort in Mitteleuropa geschlossen wird, wird dann Österreich vom Ausland mit Gemüse beliefert, also sicher nicht „lokal“! 

Das Werk in Groß Enzersdorf will Ardo schließen. Den Vertrieb und damit den Umsatz in Österreich will Ardo aber schon behalten und aus seinen Werken weit weg in Westeuropa beliefern. Das kann nicht sein. Wer hier verkaufen will, muss auch hier sein bestehendes Werk erhalten und nötigenfalls erneuern. Das wäre ein Druckmittel gegen das Vorgehen von Ardo.

Zudem: Da sowohl Arbeiter wie Bauern von der Schließung betroffen sind, müssen die politisch Verantwortlichen, also ÖVP-Landeshauptfrau Mickl-Leitner, aber auch die Bundesregierung sowie die zuständigen Interessenvertretungen, also Landwirtschaftskammer, Landarbeiterkammer, Arbeiterkammer und Gewerkschaften aktiv werden. Sind einmal die Maschinen weg, ist es zu spät. Das Werk besitzt Ardo. Der Grund auf dem es steht aber Österreich. Und vor allem: Die Grundstücke rundum gehören den österreichischen Bauern. Wer will v.a. die Bauern und Grundeigentümer der Erzeugergenossenschaft ETG, sowie Vertreter der Landwirtschaftskammer, Arbeiterkammer, Landarbeiterkammer und Gewerkschaften davon abhalten, ihre Mitglieder zu mobilisieren und den Abtransport der Maschinen zu verhindern?  Das ist das einzige Faustpfand, das die Betroffenen haben, um eine Schließung zu verhindern. Ansonsten ist alles Gerede von Regionalität, österreichischen Produkten, die die Menschen im Supermarkt kaufen sollen, leeres Bla Bla.

Schließung des Ardo-Tiefkühlwerkes im Marchfeld