Wieder einmal eine Obmann-Debatte. Eigentlich schon seit 10 Jahren, damals Kern ggen Faymann, dann 2023 Dsokozil gegen Rendi-Wagner, schließlich mit „Sieger“ Babler. Vorangetrieben wird diese in den Medien, vor allem von der „Krone“ oder früher auch von Fellner-„Österreich“. Ständig wird die Medientrommel gerührt, wer in der SPÖ den Vorsitz führen soll. Bekämpft wird Babler wegen seiner Medienpolitik, die weniger Staatsgeld für Gratis- und Boulevardmedien vorsieht. Jetzt kampagnisiert die „Krone“ gegen Babler und für den Millionär Zeiler. Der will jetzt die SPÖ „retten“. Und die „Krone“ weiß schon wie’s ausgeht: „Gerhard Zeiler, voraussichtlicher künftiger SPÖ-Chef, mutmaßlicher Vizekanzler …“ (Krone, 27.9.2026).
Doch es geht um mehr. Möglicherweise ist Zeiler auch für die „Krone“ nur Mittel zum Zweck, die SPÖ im Auftrag und Interesse der Industrie weiter zu zerstören. Denn: Einerseits fördert die „Krone“ momentan zwar Zeiler massiv. Der soll und will bei den SP-Granden die Hoffnung nähren, dass mit ihm die nächsten Wahlen gegen Kickl zu gewinnen seien. Was wiederum nur zusammen mit der ÖVP ginge, die jetzt und schon immer die SPÖ erpresst, wenn sie mit ihr in der Regierung ist. Andererseits ist die „Krone“ tagtäglich das beste FPÖ-Propaganda-Organ oder propagiert die Politik und Forderungen von ÖVP, Industrie und Konzernen. So könnte am Ende erst recht eine FPÖ-ÖVP-Regierung stehen, wie es die Industrie schon länger will. Denn für das Kapital ist nur ein „toter ‚Roter‘, ein guter ‚Roter‘“. Das ist die Rolle der „Krone“ im Auftrag der Konzerne, von denen Sie ihr Inseraten-Geld bekommt.
Tatsache ist, dass die SPÖ seit Jahren runterrasselt. Der Hauptgrund ist aber nicht, wer gerade den Vorsitz hat. Es liegt auch nicht daran, dass Kern oder Zeiler so wirtschaftsliberaler seien als der „Marxist“ Babler. Babler ist kein Marxist. Sein Parteimanager Seltenheim hat jüngst gegen Zeiler ins Treffen geführt, dass die Babler-SPÖ sowieso wirtschaftsliberal und nicht links sei: Lohnnebenkostensenkung um 2 Milliarden für die Industrie, Strompreisstützung für die Industrie in der Höhe von 750 Millionen Euro, Kopftuchverbot, Stopp des Familiennachzuges, härtere Asylregeln, Senkung der Sozialhilfe usw. (siehe Kurier, 29.9.2026). Es liegt vor allem daran, dass die SPÖ seit Jahrzehnten immer neoliberaler wird, viele Versprechen nicht einlöst – besonders wenn sie in Regierungen ist: keine wirkliche Entlastung bei hohen Wohnkosten (Mieten), kaum wirksame Maßnehmen gegen hohe und weiter steigende Energie-, Sprit-, Strom und Lebensmittelkosten. Zudem macht die SPÖ bei der Aushöhlung der immerwährenden Neutralität Österreichs und der milliardenschweren Kriegsaufrüstung durch ÖVP und Neos mit. Das wollen 80% bis 90% der Österreicher:innen nicht. Und die Milliarden für Aufrüstung fehlen dann bei Sozialem! Auch das spielt der FPÖ in die Hände, die dann leicht und heuchlerisch so tun kann, als wäre sie für die Neutralität und für den „kleinen Mann“.
Die jeweiligen Regierungs-„Partner“ der SPÖ, vor allem die ÖVP, aber jetzt auch die Neos, weichen nicht von ihren Programmen, Versprechungen und Politik für die Reichen, Besitzenden und Konzerne ab. Vielmehr kommen sie den Forderungen der Wirtschaft immer noch mehr nach (z.B. Stichwort Lohnnebenkostensenkung um Milliarden. Milliarden an Wirtschaftsförderung usw).
Und nicht genug damit: Wirtschaft, Konzerne und Industriellenvereinigung (IV) wollen zur ihrer Profitsicherung noch mehr und immer mehr Geld vom Staat. Die SPÖ in der Regierung sehen die Bosse dabei als „Bremser“, als Klotz am Bein – wollen diese letztlich nicht mehr in einer Regierung haben. Die Industriellenvereinigung wollte schon bei den Koalitionsverhandlungen im Jänner 2025 keine SPÖ in der Regierung, sondern eine ÖVP-FPÖ-Regierung.
Statt sich für Koalitionen mit immer mehr rechts stehenden FPÖ, ÖVP und Neos zu verbiegen und dabei selbst immer mehr nach rechts zu gehen, d.h. die Interessen der Menschen immer mehr aufzugeben, sollte die SPÖ eine Koalition mit den Menschen eingehen. Das heißt, die Menschen mit den SPÖ-Mitgliedern, den Gewerkschaften und Betriebsrät:innen organisieren und mobilisieren gegen den Frontalangriff der Konzerne, der Industrie und der Kriegsteilnahme-Vorbereiter. Nicht schweigen, nicht sich als bravster Umsetzer des Regierungs-Sparprogramms profilieren wollen und weiter mitmachen. Das würde dem ursprünglichen Anspruch einer SPÖ gerecht werden. Der von „Krone“ und Medien mit Zeiler kräftigst beförderte und hochgespielte Streit und Machtkampf der derzeitigen und Möchtegern-Granden interessiert niemanden und spielt erst recht FPÖ und ÖVP in die Hände – zum Schaden der Menschen.
