Immer wieder kommen aus der Industriellenvereinigung (IV) die Begehrlichkeiten, dass die Regierung das Pensionsantrittsalter erhöhen soll. Zuletzt verlangte IV-Präsident Knill, dass wir arbeitende Menschen bis 68 oder 70 Jahre arbeiten sollen. Arbeiten bis zum Umfallen, womöglich vom Arbeitsleben in den Sarg, das ist die Botschaft der Industriellenvereinigung. Im Regierungsprogramm steht derzeit nichts von einer Anhebung des gesetzlichen Pensions-Antrittsalters. Jetzt eröffnet die ÖVP doch auf Druck der IV die „Pensions-Diskussion“. So verlangt jetzt auch die Präsidentin des ÖVP-Seniorenbundes Ingrid Korosec, dass man über längeres Arbeiten und eine Anhebung des gesetzlichen Pensionsantritts „diskutieren“ müsse. Mit ihrem Vorschlag, dass das ja nur für jene – meist Akademiker – gelten soll, die später ins Berufsleben eintreten, macht sie die Tür auf zur generellen Infragestellung des gesetzlichen Pensionsantritts mit 65 Jahren. Zudem operiert sie mit dem Neideffekt, in der Hoffnung, dass die Mehrheit der Nichtakademiker dagegen nichts sagen würden. Doch wie in anderen Bereichen auch fangen die Kürzungen bzw. Verschlechterungen mit Angriffen auf eine „unbeliebte“ Gruppe an, am Ende gilt es dann für alle. Das ist das Ziel des nun als Probeballon für ÖVP und Industrie von Korosec gestarteten Vorstoßes.
Korosec sagt bewusst auch nicht dazu, dass ihr „Konzept“, den gesetzlichen Pensionsantritt an die Zahl der Berufsjahre zu koppeln, vor allem Frauen, also sicher keine Minderheit, trifft. Denn aufgrund der Realität, dass nach wie vor die unbezahlte Hauptarbeit von Kinderbetreuung, Pflege etc. also die so genannte „Care-Arbeit“ auf den Frauen lastet, also durch Doppel- und Dreifachbelastung der Beruf leidet und dann Berufsjahre fehlen. Die Folge: Pensionsraub, Altersarmut. Außerdem ist es derzeit so, dass rund ein Drittel (!) aller Arbeitslosen (= 120.000 Menschen) über 50 Jahre alt ist (Quelle: AMS), weil Firmen eben gerne ältere Beschäftigte kündigen bzw. nicht mehr einstellen wollen. Schon 15,5 % der arbeitslosen Männer und 10,2 % der arbeitslosen Frauen wechseln von der Arbeitslosigkeit in die Pension (Quelle: Momentum-Institut). Auch hier ist die Folge durch den Einkommensverlust Pensionsraub, Altersarmut. Das bedeutet der Korosec-Vorschlag.
